Chronik

Die Chronik des Musikvereines St. Pantaleon wurde im Jahr 2000 anlässlich des 150-jährigen Bestandsjubiläums von Dr. Andreas Lindner in einem Buch mit dem Titel „Die Geschichte einer Dorfmusik“ zusammengestellt. Der Inhalt wird hier auf unserer Website verkürzt wiedergegeben.

Die Geschichte einer Dorfmusik

Der Musikverein St. Pantaleon

Dr. Andreas Lindner, 2000

  • "Anno Domini 1850"

    Die Anfänge der dörflichen Blasmusikpflege in St. Pantaleon führt uns zurück in die Mitte des vorigen Jahrhunderts.

    Der erste dokumentierte Auftritt des Musikvereines St. Pantaleon findet im Jahr 1854 statt. Im Frühjahr des Jahres wurde die Hochzeit Kaiser Franz Joseph I. mit der bayerischen Prinzessin Elisabeth vorbereitet. Bei diesem Anlass durften natürlich die ortsansässigen Blasmusikkapellen nicht fehlen. Mitgewirkt hat dabei ein gewisser Herr Michael Peyerl aus St. Pantaleon. Jahrezehnte später weiß dessen Schwiegertochter, Magdalena Huemer aus Marksee, über die Ereignisse zu berichten. Da die Schilderung als ältester Bericht über die Tätigkeit der Musikkapelle gilt, wurde sie im Jahr 1950 von den damaligen Musikern schriftlich festgehalten:

    „Frau Magdalena Huemer, verwitwete Peyerl, geborene Geiblinger, geb. 1866 in Erla, derzeit Private in Marksee 89 gibt an und bestätigt mit Ihrer eigenen nachstehenden Unterschrift, dass ihr Schwiegervater, Herr Michael Peyerl, geb. in St. Pantaleon im Jahre 1822, gewesener Wirtschaftsbesitzer in St. Pantaleon Nr. 55 (gestorben 1908) im Jahre 1854, als Kaiserin Elisabeth auf einem Dampfboot von Linz aus auf der Donau nach Wien zur Hochzeit“

    nach oben

  • Es war vermutlich den prächtigen Auftritten der Militärmusikkapellen zu verdanken, dass sich in St. Pantaleon einige Musikbegeisterte zusammenfanden und die Gründung einer Kapelle beschlossen.
    Es ist aus heutiger Sicht schwer vorstellbar, dass regelmäßige Zusammenkünfte zu Proben und Ausrückungen im wesentlichen erst durch neue gesetzliche Regelungen aus dem Jahr 1848 ermöglicht worden waren. Obwohl das Musizieren 1827 zu einer „freien und jedermann unverwehrten Tätigkeit“ erklärt worden war, war die Gründung von Vereinen noch lange keine Selbstverständlichkeit. Erst mit der Verabschiedung des Versammlungs- und Vereinsrechtes 1848 wurde ein erster Verfassungsentwurf vorgelegt, der jedem Bürger das Recht zusprach, ohne alle behördliche Bewilligung Vereine zu bilden, insofern Zwecke und Mittel der Vereinigung weder rechtswidrig noch staatsgefährlich waren. Der Erlass hatte ein Aufblühen des Blasmusikwesens zur Folge. Überall in der Umgebung fanden sich Musikbegeisterte und gründeten Kapellen, so etwa in Perg 1850, Strengberg 1851 und Naarn 1852. Erste Rückschlüsse auf die Mitglieder, die Besetzung und die verwendeten Instrumente erlaubt ein Foto aus dem Jahr 1871.

    Es war üblich, dass ein Stimmführer, meist der erste Flügelhornist, von seinem Platz aus das Orchester leitete. Als bester Musiker wurde der Trompeter Michael Strebitzer aus Stögen zum Kapellmeister ernannt.

    nach oben

    Die Rechtlichen Grundlagen für die Vereinsbildung

  • Die Instrumente

    Einheitliche Besetzungen gab es im 19. Jahrhundert nicht. Grundsätzlich wurde die Zusammensetzung des Ensembles durch das wirtschaftliche Vermögen der Mitglieder bestimmt, da Musikinstrumente damals einen Luxusartikel darstellten. Vorwiegend hielt man nach gebrauchten Instrumenten Ausschau, wobei das Interesse den ausgeschiedenen Instrumenten der Militärmusikkapellen galt – die Garnisonen Enns und Linz waren nicht weit entfernt.

    nach oben

  • Das Repertoire der Kapelle war nicht besonders umfangreich. Es orientierte sich in erster Linie an den Auftritten des Vereines und an den Militärmusikkapellen. Dementsprechend dominierte Marsch- und Prozessionsmusik, dazu kamen Stücke für Tanz und Unterhaltung. Bei Konzerten bot man meist eine Folge von Märschen, Ouvertüren, Walzern und kleinen Tanzstücken, die durch Charakterstücke unterbrochen war.

    Es existierte noch kein Radio und so wussten die wenigsten Zuhörer, wie das eine oder andere Stück klingen sollte. Die Auftritte der Musik galten als Inbegriff für Feierlichkeit und Unterhaltung. Spielte die Musik, wurde für Stunden der Alltag vergessen.

    Leider ist durch die Wirren der Weltkriege ein großer Teil des historischen Notenmaterials verlorengegangen – es wären daraus interessante Rückschlüsse auf Besetzung und die musikalische Fertigkeit der einzelnen Musiker zu ziehen.

    nach oben

    Notenmaterial

  • Zur Jahrhundertwende

    Im Jahr 1880 bekam der Musikverein einen neuen Kapellmeister. Der bisherige Flügelhornist Josef Mayr aus Pyburg löste Michael Strebitzer ab und führte den Verein bis 1925. In seine Kapellmeisterzeit fallen einige einschneidende Ereignisse. So wurde im Jahr 1896 in der Nachbargemeinde Erla ein Musikverein gegründet.
    Das bedeutete, dass ein Teil der in St. Pantaleon tätigen Musiker überwechselte. Die Vereine St. Pantaleon und Erla standen seit jeher in gutem Verhältnis zueinander und gern half man sich immer wieder gegenseitig aus. In den Anfängen, beim Wiederaufbau nach dem Ersten Weltkrieg, bis hinein in die Dreißiger Jahre findet man Musiker, die in der jeweiligen Nachbarkapelle als Mitglieder geführt wurden.

    nach oben

  • Eine Kleidung nach dem Vorbild der Regimentskapellen war mit Sicherheit bereits früher diskutiert worden. Sie hätte das Erscheinungsbild wesentlich aufgewertet, scheiterte aber an den Kosten.
    Da ein Großteil der Musiker gleichzeitig Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr St. Pantaleon waren, beschloss man aus kurzerhand, die Uniform der Feuerwehr zu übernehmen. Gleichzeitig sollte der Musikverein als Feuerwehrmusik geführt werden.

    nach oben

    Die erste Uniformierung

  • Der Erste Weltkrieg

    Im Mai 1914 wurden die ersten Wehrpflichtigen aus St. Pantaleon an die Front gerufen. Die ganze Hoffnung lag bei einem frühen Ende des Krieges, sie erfüllte sich aber nicht. An Musizieren war nicht zu denken.
    Nach dem Krieg war es Johann Geiblinger, der von Haus zu Haus ging und die Musiker zusammenrief. Zwei von ihnen gehörten zu den unzähligen Opfern des Krieges. Josef Mayr übernahm wieder die Kapellmeisterstelle.

    nach oben

  • Nach fünfundvierzigjähriger verdienstvoller Tätigkeit legte Joseph Mayr die Kapellmeisterstelle 1925 zurück und wurde im Jahr 1926 zum Ehrenkapellmeister ernannt.
    Sein Nachfolger wurde der Klarinettist Johann Sandmayr, der bereits die letzten Jahre die Kapellmeistertätigkeiten mitgeführt haben dürfte. Der neue Kapellmeister setzte sich dafür ein, dass die Probentätigkeit in die Gasthäuser verlegt wurde. Bisher hatte man sich in den Häusern der Mitglieder eingefunden. Die Stuben waren nun allmählich zu eng geworden, außerdem war die Aufstellung in Register nicht möglich. Die Kapelle war auf beinahe dreißig Mitglieder gewachsen, auffällig der steigende Anteil junger Musiker.
    Nun war man nicht mehr darauf angewiesen, die Besetzung nach der Verfügbarkeit der Instrumente zu richten, sondern konnte nach Notwendigkeit wählen. Das Verhältnis der einzelnen Register zueinander entsprach dem zeitgemäßen Geschmack und hat sich zugunsten der melodieführenden Instrumente – Flügelhorn und Klarinette – verschoben. Erste Tendenzen in Richtung Klangfülle und Tiefenresonanz waren damit erkennbar.

    nach oben

    Verschiedene Erneuerungen

  • Der Zweite Weltkrieg

    Mit dem Musizieren war es wieder einmal vorbei. Um die eine oder andere Feierlichkeit dennoch musikalisch zu umrahmen, taten sich die beiden Flügelhornisten Leopold Lindner und Josef Mayr aus Erla zusammen. Gemeinsam mit einer Handvoll Daheimgebliebener konnte die Spielfähigkeit aufrecht erhalten werden. Kirchliche Feste mussten dazu in beiden Ortschaften zeitlich verschoben angesetzt werden. Zweiundsechzig Gefallene und Vermisste forderte dieser Krieg allein in St. Pantaleon. Elf von ihnen waren Musiker.
    Ein großes Problem der ersten Nachkriegsjahre stellte das Fehlen der Instrumente dar. Die russischen Besatzungssoldaten hatten an sich genommen, was nicht gut genug versteckt worden war. Dem Bemühen Johann Sandmayrs war es zuzuschreiben, dass bereits 1945 wieder aufgetreten werden konnte. Zusammen mit Ferdinand Weindl aus Stögen hatte er dem Verein unter anderem Geld zum Instrumentenankauf vorgestreckt. So war die Kapelle zumindest spielfähig und konnte im November dieses Jahres eine Parade der Roten Armee in Ennsdorf musikalisch untermalen. Natürlich wurde im zivilen Anzug musiziert, denn die Uniformen waren ebenfalls abhanden gekommen.
    Am 7. Juni 1949 wurde die Kapelle bei der Bezirkshauptmannschaft Amstetten erneut als ordentlicher Verein angemeldet. Die offizielle Einschreibung war nicht ohne weiteres möglich, bedurfte die Bewilligung doch der Genehmigung der russischen Besatzungsmacht. Die Stelle des Obmannes übernahm Bürgermeister Josef Schober aus Albing. Der Verein war nun verpflichtet, die Sitzungsinhalte und -beschlüsse genau zu dokumentieren. Sie liegen ab März 1950 vor.

    nach oben

  • Die erste bedeutende musikalische Leistung der frühen Nachkriegsjahre war der Aufbau eines Streichorchester. Bereits in den Zwanzigerjahren ist im Dorf ein kleines Streichorchester nachweisbar, dessen Auftritte sich allerdings auf die Umrahmung der jährlich im Fasching stattgefundenen Theateraufführungen beschränkten.
    Der Krieg war kaum vorbei, als sich der aus Erla stammende Gemeindesekretär Josef Leeb um das Aufleben der alten Streichertradition bemühte. Der eigentliche Anlass für die erste Probenphase war die musikalische Umrahmung des Silvesterabends 1946. Die Silvesterveranstaltungen hatten eine lange Geschichte und sind noch bis 1953 nachweisbar.
    Die Besetzung entsprach dem Salonorchester der Dreißigerjahre: einer Streichergruppe aus je zwei bis drei ersten, zwei obligaten und zwei zweiten Violinen, Violoncello und Kontrabass stand eine Bläsergruppe aus Klarinette, Trompete und Posaune gegenüber.

    Anfangs ersetzte ein Tenorhorn das Violoncello. Ergänzt wurde das Ensemble durch ein Schlagwerk und bei klassischer Literatur durch eine Viola. Das Programm des Streichorchesters St. Pantaleon war vielfältig. Der Bogen spannte sich von Marsch- und Tanzmusik, Liedern und Potpourrien aus Oper und Operette bis hin zu Ouvertüren und anderen Werken klassischen Stils.

    nach oben

    Das Streichorchester St. Pantaleon

  • Die Båchrama

    Seit dem Krieg war es üblich, dass bei Tanzveranstaltungen nicht die ganze Kapelle ausrückte, sondern eine kleinere Gruppe, bestehend aus zwei Klarinetten, zwei Flügelhörnern, zwei Tenorhörnern, Tuba und Schlagzeug, spielte. In dieser Besetzung umrahmte die Kapelle viele Polterabende, Hochzeiten und Bälle im Ort und der ganzen Umgebung.
    1946 spielte die Blechtanzkapelle beim Polterabend von Engelbert Fischer in Stein und es passierte, dass die Musiker zu tief ins Glas schauten. Erst früh am Morgen marschierten sie in Richtung St. Pantaleon zurück, wobei einige von ihnen vom Weg abkamen und in den Verbindungsbächen entlang der Straße landeten.
    Einige Tage später saßen die Musiker im Gasthaus Ebmer und erzählten einem Fleischhauer aus Ennsdorf vom nächtlichen Erlebnis. Schmunzelnd griff dieser in seine Brieftasche und zog kurzerhand einen Fünfhundertschillingschein hervor – eine bedeutende Summe für damalige Verhältnisse. Würde sich die Tanzkapelle ab nun „Båchrama“ nennen, sollte der Geldschein ihnen gehören. Die Entscheidung fiel nicht schwer. Ein Name war geboren und hat sich bis heute gehalten.

    nach oben

  • Das 100-jährige Bestandsjubiläum wurde zum Anlass genommen, den Musikverein in einer neuen Uniform zu präsentieren.
    Die Feier des Kapellenjubiläums wurde von der Bevölkerung großartig unterstützt. Zahlreiche Festwägen und die Musikkapellen der umliegenden Ortschaften begleiteten den Zug. Für entsprechendes Rahmenprogramm wurde gesorgt.

    nach oben

    Das Musikfest 1950 und die neue Uniformierung

  • Josef Leeb – Ein Lebenswerk

    In den beginnenden Fünfzigerjahren begann sich Josef Leeb mit großem Engagement für das Blasmusikwesen zu interessieren. Ein von ihm in St. Valentin organisierter Kapellmeisterkurs endete überraschend mit dem Beschluß, einen Niederösterreichischen Blasmusikverband zu gründen. Es dauerte nicht lange und Leeb wurde auf die russische Kommandantur nach St. Valentin beordert. Nach stundenlangen Verhören gelang es ihm klarzulegen, dass das Ziel der neuen Interessensgemeinschaft ausschließlich in der Förderung der Musik lag und weder politische, noch subversive Ideen verfolgt würden. Die behördliche Genehmigung der Sicherheitsdirektion des Landes Niederösterreich folgte am 20. August 1952. Bereits am 19. Oktober 1952 fand die erste Generalversammlung statt, in der Leeb zum Verbandsobmann gewählt wurde.
    Als erster Verein trat die Musikkapelle St. Pantaleon dem Blasmusikverband bei und trägt seitdem die Mitgliedsnummer 1.
    Ende 1954 umfasste der Verband bereits 131 Kapellen.

    nach oben

  • 1952 löste Josef Leeb Kapellmeister Johann Sandmayr ab und begann den zu diesem Zeitpunkt aus 28 Mann bestehenden Musikverein St. Pantaleon zu einem musikalisch anerkannten Orchester aufzubauen.
    Ein erstes und für den Verein mit empfindlichen finanziellen Aufwendungen verbundenes Problem stellte die anfangs der Fünfzigerjahre unumgänglich gewordene Umstellung auf die sogenannte „Normalstimmung“ dar. Die Neuinstrumentierung konnte 1955 abgeschlossen werden.

    nach oben

    Von der hohen zur Normalstimmung

  • Die Vereinstracht

    Obwohl der Verein erst 1950 neu eingekleidet worden war, gelang es Josef Leeb, die Musiker zu überzeugen, eine Tracht anzuschaffen. Mehr als die bisherige Uniform sollte sie die heimatliche Verbundenheit darstellen. Aufgrund der jahrhundertealten Abhängigkeit von der Donau – der Fluss bildet die nördliche Gemeindegrenze – war es naheliegend, die Kleidung nach dem Vorbild der Schiffertrachten zu gestalten
    Am 17. Mai 1956 war es soweit. Anlässlich einer kleinen Abschiedsfeier vor der Reise nach Angers (Frankreich) stellte Kapellmeister Leeb den Verein als erste neu eingekleidete Trachtenkapelle Niederösterreichs vor. Auch auf der folgenden Konzertreise ließ der Erfolg nicht auf sich warten: immer wieder beschrieb die Presse das neue Erscheinungsbild und unterstrich die Sinnbildhaftigkeit österreichischer Tradition.

    nach oben

  • Seinen verbandesweit geäußerten Überzeugungen entsprechend, investierte Josef Leeb nun in Jugendarbeit. Er bemühte sich um die Unterstützung des Landes Niederösterreich und es gelang ihm, für St. Pantaleon die Mittel zum Aufbau einer Landesmusikschule zu erhalten. Mit einer dort den Jungmusikern beigebrachten fundierten bläserischen Ausbildung und einem gewissen Maß an Disziplin gelang Leeb innerhalb kürzester Zeit der Aufbau einer Jugendkapelle.
    Als eine der ersten ihrer Art in Österreich präsentierte Josef Leeb die Jugendkapelle St. Pantaleon am 9. Oktober 1963 anlässlich der Jahreshauptversammlung im Großen Sitzungssaal des Niederösterreichischen Landhauses in Wien. Im Rahmen seines anschließenden Referates „Jugend, deine Freizeit der Musik“ bewies er auf eindrucksvolle Weise die Früchte der musikalischen Jugendarbeit.

    nach oben

    Die Jugendkapelle St. Pantaleon

  • Konzertreisen

    Mit der Übernahme der musikalischen Leitung begann Leeb nun auch Auslandsreisen zu organisieren. Die erste große Konzertreise fand vom 9. bis 11. Oktober 1954 statt und führte zum Landesmusikfest nach Meran.
    An Reisen folgten in den kommenden Jahren: internationales Blasmusiktreffen im Mai 1956 in Angers (Frankreich), Sängertreffen in München im Juli 1960, 1961 Konzertreise der Jugendkapelle nach Luxemburg, im Jahr 1963 nach Sonthofen im Allgäu, 1964 Tournee nach Deutschland, Frankreich, Luxemburg und Holland.
    Neben der Geselligkeit bedeuteten diese Reisen vor allem Motivation und musikalischen Ansporn. Es gab plötzlich keine Nachwuchsprobleme mehr und das musikalische Niveau der Jugend war entscheidend gestiegen.

    nach oben

  • Im Jahr 1966 übersiedelte Josef Leeb nach Haag, um dort eine Stelle als Musikschul- und Kulturamtsleiter anzunehmen. Die Zurücklegung der Kapellmeisterstelle bedeutete für den Verein einen großen Verlust.
    Um den Fortbestand des Musikvereins zu sichern, erklärte sich Fritz Kleestorfer mit der vorübergehenden Leitung bereit. Er ging dabei den geänderten Weg und konzentrierte sich mehr auf die dörflichen Auftritte, auswärtige Tätigkeiten waren zweitrangig. 1968 löste Franz Lindner Kapellmeister Kleestorfer ab. Er setzte auf den von Josef Leeb vorgezeichneten Kurs und bemühte sich um die Förderung des Musikernachwuchses. 1970 kam es erneut zu einem Kapellmeisterwechsel. Aufgrund privater Umschulungen in Form von Abendkursen war für Franz Lindner die Freizeit knapp geworden. Eine Abstimmung unter den Musikern führte zur Wahl von Friedrich Ortner zum neuen Kapellmeister.
    Da die Zahl der aktiven Musiker inzwischen auf 25 gesunken war, beschloss man, mit der Aktion „Musiker werben um Nachwuchskräfte“ junge Leute für das Erlernen eines Instrumentes zu begeistern. Ortner opferte einen Großteil seiner Freizeit und leistete bei der Jungmusikerausbildung Beträchtliches. Innerhalb der nächsten fünf Jahre konnte das Nachwuchsproblem großteils gelöst werden.

    nach oben

    Von 1966 bis 1993

  • Das Musikfest 1980 und der Musikheimbau

    Das 130-jährige Bestandsjubiläum 1980 war wieder einmal Anlass umfangreicher Jubiläumsfeiern. 17 Gastkapellen waren gekommen, die in einem Dreitagesfest der feiernden Kapelle gratulierten. Einen weiteren Höhepunkt bildete der Spatenstich für das Vereinslokal, der im Rahmen eines abendlichen Festkonzertes durchgeführt wurde.
    Seit den 50er Jahren wurden die Musikproben im Gasthaus Ebner abgehalten. Um für Instrumente, Noten, Trachten und andere vereinseigene Gegenstände Platz zu schaffen, wurde im Jahre1964 mit dem Gasthaus Winklehner ein entsprechender Vertrag über die Adaptierung des Tanzsaales abgeschlossen und man übersiedelte dorthin. Schließlich wurde aber auch dort der Platz zu eng.
    Mit dem Bau des Musikheimes ging ein langersehnter Wunsch in Erfüllung. Da die finanziellen Mittel allein nicht aufzubringen waren, entschied man sich für das seit längerem diskutierte Projekt eines gemeinsamen Vereinshauses für Musik und Feuerwehr.

    Bereits im Jahr 1982 war es so weit. Am 20. Jänner wurde zur letzten Probe ins Gasthaus Winklehner geladen. Ein Marsch wurde angestimmt, dann die Sachen gepackt und mit klingendem Spiel ging es zum neuen Musikheim.

    nach oben

  • Im Jahr 1981 regte der Blasmusikverband die Umstrukturierung der Vereinsleitungen an. Der Obmann sollte nicht länger einseitige Repräsentationsfunktionen erfüllen, sondern als Organisator interner Belange vorstehen. Ihm übergeordnet ein Vorstand mit einem Präsidenten und den Musikbeiräten, die dem Verein als Entscheidungsträger in wichtigen Fragen und als Interessensvertreter nach außen zur Verfügung stehen. Noch vor der Eröffnung des Musikheimes kam es wieder zu einem Wechsel an der musikalischen Spitze: Friedrich Ortner trat zurück und übergab den Dirigentenstab Erwin Koller. Des Weiteren stand die Neuregelung der Ausbildung am Programm. Die vereinsinterne Bläserschulung sollte fachspezifischen Musiklehrern anvertraut werden. Mit 1. November 1983 begann der Unterricht. In den Räumlichkeiten der Volksschule wurde eine Filiale der Musikschule St. Valentin eigerichtet.
    Nach vielen Jahren entschloss sich die Musikkapelle 1985 wieder zu einer größeren Auslandsreise. Das Reiseziel war die Ortschaft Le Fidelaire, ca. 200 Kilometer nordwestlich von Paris. Aufgrund des großen Anklanges und der geschlossenen Freundschaften wurde die Reise drei Jahre später wiederholt. Im Jahr 1986 legte Bürgermeister Florian Himmelbauer sein Amt als Obmann zurück und wurde zum Ehrenobmann ernannt. In Folge erklärte sich der Musiker Martin Mayr bereit, das Amt zu übernehmen.
    Im Jahr 1990 feierte der Verein das 140 jährige Gründungsjubiläum. Zum Festkonzert wurde mit den Musikkollegen aus Erla „Der große österreichische Zapfenstreich“ dargebracht. Die Höhepunkte des Dreitagesfestes waren der Festzug und die Bezirkmarschmusik-Bewertung.

    Im Jahr 1994 wurden der Kapellmeister und der Verein für die konstanten musikalischen Leistungen bei Konzertwertungen mit dem Ehrenpreis des Landes Niederösterreich ausgezeichnet.
    Dem Kapellmeister wurde vom Niederösterreichischen Blasmusikverband die Goldene Dirigentennadel überreicht. Aus gesundheitlichen Gründen musste Erwin Koller im Jahr 1995 zurücktreten. Sein Nachfolger wurde Mag. René Killinger, der den von Kapellmeister Koller vorgezeichneten Weg im Wesentlichen fortführt. Neben der Kontaktpflege zu unserer deutschen Partnerkapelle Dieterskirch und einem Gemeinschaftskonzert in Erla, waren die Feierlichkeiten anlässlich des 150jährigen Bestandsjubiläum im Jahr 2000 ein Highlight im Vereinsgeschehen.
    Beim Festkonzert am Dorfplatz interpretierte der Musikverein gemeinsam mit der Musikkapelle Erla das militärische Tongemälde „Der Traum eines österreichischen Reservisten“. Beim anschließenden Bezirksmusikfest mit Marschmusikbewertung der BAG Amstetten nahmen 30 Kapellen teil. Am 23. Juni 2002 wurde der Musikverein seitens des Niederösterreichischen Blasmusikverbandes, welcher in diesem Jahr sein 50jähriges Bestandsjubiläum feierte, eingeladen, als Teilnehmer am Landesmusikfest in Lilienfeld den Festzug mit über 5.000 Teilnehmern anzuführen.

    nach oben

    Die administrativen und musikalischen Umstrukturierungen in den 80er-Jahren

  • Der Ablauf eines musikalischen Jahres

    Die ersten Schwerpunkte im musikalischen Jahr bilden das auf Anfang März fixierte Frühjahrskonzert und der traditionelle Weckruf am 1. Mai. Ein Frühschoppen anlässlich der Patronatsfeier Ende Juli und ein Dämmerschoppen zu Fronleichnam zählen ebenfalls zum fixen Bestandteil der vom Verein organisierten Veranstaltungen. Pflichttermin sind jeweils die jährlich stattfindende Konzert- und Marschmusikbewertung sowie sämtliche Musikfeste der näheren Umgebung. Zur Kostendeckung veranstaltet der Verein im Fasching den Musikerball und seit 2001 im Juni ein Summer Opening mit Weinverkostung und Discoabend.

    Seit jeher ist der Musikverein fester Bestandteil kirchlicher und weltlicher Feste. Vieles hat sich durch die Jahrzehnte kaum geändert. Musikalisch umrahmt werden dabei kirchliche Anlässe wie Palmsonntag, Prozession am Karsamstag, Florianimesse, Erstkommunion, Fronleichnam, Erntedankfest, Allerheiligen sowie ein Gedenkgottesdienst zu Ehren der verstorbenen Musikkameraden. Zu all diesen Anlässen kommen Hochzeiten und Begräbnisse.
    Die Auftritte für die Gemeinde sind verschiedenster Art. Sie reichen von den jeweiligen Vereinsfeiern bis hin zu Unterhaltungs- oder Als Anerkennung für seine Leistungen wird der Verein von Seiten der Gemeinde in jeglicher Hinsicht großzügig unterstützt. Den Abschluss des Vereinsjahres bildet eine gemütlich-besinnliche Weihnachtsfeier. Repräsentationsveranstaltungen.

    nach oben

Klicke hier, um Ihren eigenen Text einzufügen